Auf zu neuen „alten“ Ufern

Unsere erste Woche in Hong Kong:

Nach einem entspannten 11 Stunden-Flug kamen wir samstags (ausgerechnet am 01. April) am frühen Morgen an – bei frühlingshaften Temperaturen erwartete uns ein Fahrer mit einem Schild, auf dem Laura’s Name (sogar richtig geschrieben!) stand.

Nach kurzem Bargeld-Schock – unsere Kreditkarte war gesperrt – gab’s in der Bank um die Ecke aber doch Bares und einem Frühstück stand nichts im Wege. Unser Serviced Apartment ist wie erwartet recht – nennen wir es – kuschlig. Auf engem Raum ist allerdings alles recht praktisch verbaut, zudem haben wir im 23. Stock einen guten Ausblick und auch einen kleinen Balkon.

DSC_0542Blick aus unserem Apartments im Stadtteil Jordan auf den Night Market

 

Am Samstag war unser Rhythmus noch ein wenig gestört – es sollte sich auch noch bis spät in die Woche ziehen, bis wir uns der neuen Zeit komplett angepasst hatten. Wir gingen nachmittags los, um mit Laura’s Arbeitskollegin Caitlin „Dim Sum“ essen zu gehen. Diese kleinen Maultaschen / Ravioli (damit lassen sie sich am ehesten vergleichen, wem sie noch nicht beim Chinesen Eures Vertrauens über den Weg gelaufen sind) sind mit Gemüse, Shrimps, Fleisch oder mit Brühe gefüllt und hier weit verbreitet. Sie werden sowohl an Straßenständen als auch in Restaurants angeboten – unseres hieß Din Tai Fung und hat sogar einen Michelin-Stern bekommen. Es war richtig lecker!

Sonntags starteten wir mit einem ausgedehnten Frühstück (um halb 3) auf unserem Balkon und schlenderten anschließend mal los, um unsere Umgebung zu erkunden. Auch die ersten Wohnungen schauten wir uns an. Wir kamen schnell mit Maklern in Kontakt, auch eine WhatsApp-Gruppe mit dem schönen Titel „Mr Holger find a flat“ (sic) war schnell gegründet.

Prinzipiell geht die Suche nach einer Wohnung hier sehr unkompliziert und schnell vonstatten – man findet die Handynummer der Makler auf Online-Immobilienbörsen, kommuniziert kurz per WhatsApp, schaut sich die Wohnung meist noch am gleichen Tag an und trifft nach der Besichtigung im Regelfall innerhalb von 24 Stunden eine Entscheidung.

Hierbei begegnen einem ganz unterschiedliche Charaktere: ob Vivian, die uns beim ersten Treffen schmatzend begrüßte – wir waren etwas früh und sie hatte augenscheinlich keine Lust, auf ihre Waffeln zu verzichten – und auch im weiteren Verlauf des Treffens ihre Apartments recht aggressiv bewarb oder Kammy, die uns mit höchster Seriosität verschiedene Objekte präsentierte und relativ nüchtern die Vor- und auch Nachteile der Wohnungen erwähnte.

So verbrachte ich die Woche mit fast 15 Besichtigungen, viele Apartments fielen allerdings recht schnell wieder raus. Man findet auch schnell heraus, was für einen selbst wichtig ist – ob es die Nähe zur Metro (besonders bei Regenwetter von nicht zu unterschätzender Bedeutung), ein eigenes Gym oder nicht zuletzt auch der Preis ist. Mit einem Budget von 20.000 HKD (umgerechnet 2.400 EUR) kann man hier schon etwas reißen, für echte Top-Wohnungen darf es aber tatsächlich noch ein wenig mehr sein – nach oben sind ja bekanntlich selten Grenzen gesetzt. Was sich zunächst mal nach sehr viel Geld anhört, ist tatsächlich auch echt viel. Man kann es allerdings zumindest ein Stück weit gegen die Steuern rechnen, die hier im ersten Jahr bei 0% liegen und auch danach unterhalb der 20% bleiben.

Ein Apartment, das aus der Masse herausstach, fanden wir in einer der Facebook-Hong Kong-Expat-Gruppen, die einem das Leben unglaublich erleichtern. Ob Möbel, Tipps zum Essengehen oder eben Wohnungen – man findet hier fast alles. So kam diese Wohnung eben auch nicht über einen Makler, sondern direkt von einem Modefotograf, der kürzer treten will und sich deswegen etwas umorientiert.

Er hat zwei, drei Guesthouses in Taiwan (Einladung dorthin kam bereits während unseres ersten Gespräches) und auch hier in HK mehrere Wohnungen. Diese ist sehr industrial und offen gehalten und wir fühlten uns direkt wohl. Eine Besonderheit fiel direkt in’s Auge – es gab einen Ofen und vier (!) Herdplatten! Da hier selten gekocht wird, haben die meisten Wohnungen keinen Ofen, sondern nur eine Mikrowelle. Auch zwei (oder teilweise sogar nur eine) Herdplatte sind durchaus üblich.

Wir haben uns nach einem zweiten Besuch noch Bedenkzeit bis zum morgigen Montag erbeten, die Tendenz geht aber eindeutig hin zu dieser etwas ungewöhnlichen Wohnung.

IMG_4925Die Loftwohnung, die zur Auswahl steht

 

Laura hat sich auf der Arbeit bereits gut eingelebt – ihre Kolleginnen nehmen sie super auf, auch ihr rülpsender indischer Kollege ist sehr freundlich und sie hat nun die Möglichkeit, vielleicht „eben mal schnell“ Fragen zu stellen, für die sie sonst nicht unbedingt einen Skype-Call einberufen hätte. Lediglich die sechs Stunden Zeitunterschied zu Deutschland sind im Gespräch mit Kunden teils hinderlich.

Nach Ihrem ersten Arbeitstag am Montag war Dienstag direkt ein Feiertag (der Sweeping Day – der Tag, an dem die Gräber gesäubert werden). Diesen nutzten wir, um mit Caitlin und einigen ihrer Freundinnen an einem der Strände hier in der Umgebung zu chillen – Repulse Bay ist etwa 20 Minuten Busfahrt entfernt und eignete sich prima, um ein paar Sonnenstrahlen abzubekommen. Auch leckeres Essen gab es dort – das Restaurant Limewood bietet Thai Fusion Food an, bspw. gab es dort Thai Fish Tacos.

IMG_4836Repulse Bay

 

Generell bekommt man alle möglichen Küchen angeboten – auch Pasta Italiana Artiginale probierten wir gestern, und das inklusive der kalabresischen ‚Nduja. Eine kulinarische Besonderheit haben wir nun mehrfach auf den Speisekarten gefunden: Taube, ob marinierte Babytaube oder gegrillte Taube am Stück – anscheinend das chinesische Pendant zum halben Hend’l in Deutschland.

IMG_4926Eine kulinarische Zusammenfassung

 

Liebenswerterweise hat uns Lauras Arbeitskollegin Caitlin schon mit einigen netten Menschen bekannt gemacht. Freitags ging es gemeinsam zum Thai (ein wirklicher Geheimtipp – im 3. Stock eines Hinterhofgebäudes) und nach einigen Chang-Flaschen weiter ins Rotlicht-Viertel und in die dort weit verbreiteten englischen Pubs.  Der britische Einfluss ist noch allgegenwärtig – Hong Kong Sevens (dieses Wochenende stattfindendes Rugby-Turnier), Pferderennen, Tea Time, Marks&Spencer Supermärkte, etc. Auch das Klischee des trinkwütigen Engländers wurde an jenem Abend direkt bedient – einer der Herren am Nebentisch ließ es sich nicht nehmen, eine Zeitung anzuknabbern.

Nach den Eindrücken der ersten Woche lässt sich festhalten – Hong Kong ist eine wahnsinnig aufregende Stadt, die zum einen diverse Kuriositäten (siehe Schmatze-Vivi, wie wir sie liebevoll tauften), zum anderen in vielerlei Hinsicht so viel Abwechslung zu bieten hat.

Unsere Highlights:

  • Auch ohne PIN bekommt man auf der Bank Bargeld – man muss nur einiges an Geduld mitbringen
  • In einem Serviced Apartment wird auch die engste Beziehung noch „enger“
  • Dim Sum mit Brühe gefüllt – heiß, aber gut! Heiß, aber gut!
  • Eine Eierwaffel lässt sich schlecht auf zwei Mahlzeiten verteilen
  • Eine Zeitung schmeckt am besten im betrunkenen Zustand
  • In Hong Kong findet man die Taube meist auf dem Tisch

6 Kommentare zu „Auf zu neuen „alten“ Ufern

  1. Das klingt bis jetzt ja super! Und das Loft sieht auch mega aus! Was für ein Fotograf ist das denn? Nicht, dass er gerne unbemerkt die Bewohner seiner Wohnungen fotografiert….:D
    Ich hoffe, es ist weiterhin so schön!

    1. Der gute Harry ist Fashion-Fotograf und hat zb auch Kate Moss schon vor der Linse gehabt. Dass er dann noch Fotos von uns benötigt, ist eher unwahrscheinlich 😉

      Danke für deinen Kommentar – bist unser aktivster und treuester Supporter von der ersten Minute an!

  2. Oh meine lieben… ich bin sooo neidisch auf euch!!
    Die view.. das Essen… die Leute… und die Stadt selbst!
    Deshalb kommen wir auch sehr bald wieder dahin.
    Ich freue mich schon euch dort zu treffen!
    Bis dahin wünsche ich euch viel Spaß in meiner Heimat!
    We ❤️ Hk !! Familie Man & Kwong 😘

    1. Hallo Ihr Lieben,
      we love HK, too. Eine wirklich tolle Heimat habt ihr!
      Wir sind froh, dass wir hier sind, aber unsere Familien und Freunde vermissen wir natürlich sehr.
      Also kommt schnell rüber! Wann ist denn eventuell ein Besuch geplant – vielleicht passt das auch mit einem Urlaub meiner Eltern.
      Kisses and Hugs, Laura

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