18.11.2013
Nach dem zweiten Abschied (inklusive Ausstattung mit Essen für die nächsten 2 Monate und frisch gewaschenen Fensterscheiben unseres Wohnmobils) schauten wir uns noch ein Viertel Melbournes an, das uns besonders interessierte – die Brunswick Street ähnelt stark dem Berliner Prenzlauer Berg, mit jeder Menge kleiner Bars, Boutiquen und anderen teils etwas verrückten Geschäften. Bei strahlendem Sonnenschein ging es dann raus aus Melbourne, ab in Richtung Great Ocean Road!
Dieses Schild hat uns eine ganze Weile begleitet entlang der GOR
Hinter Geelong stoppten wir kurz an einem der berühmten Strände Südaustraliens, in diesem Falle Point Danger in Torquay. In diesem kleinen Oertchen sind die Surfermarken Quicksilver und Ripcurl zuhause – ein Mekka des Surfsports. Wir chillten uns an den Strand und unternahmen einen Spaziergang, um das gute Wetter zu genießen.
Der Strand am Point Danger
Im Anschluss ging es weiter zum nächsten tollen Strand – Bell’s Beach hostet regelmäßig die Ripcurl (so heißt übrigens die Gegend) Surf Competition, es diente schon als Filmkulisse (u.a. im Surffilm „Point Break“ (als ein gewisser Keanu Reeves noch jung und knackig war) und hier finden sich großartige Wellen. Für Anfänger allerdings ungeeignet – wir begnügten uns mit Zuschauen 🙂
Am frühen Abend fanden wir uns am Campingplatz in Anglesea ein – vier Sterne, eigenes Gym und eigener Pool machten Camping zur Luxusangelegenheit. Nicht zu vergessen das riesige Trampolin – ein großer Spaß. Anschließend grillten wir in einer BBQ Area. Diese finden sich nicht nur auf Campingplätzen, sondern auch auf Parkplätzen quer durchs Land – einen Dollar einwerfen (teils sogar nur Knopf drücken ohne Geldeinwurf), kurz aufheizen lassen und das Grillvergnügen kann losgehen. Sollte auch in Deutschland mal eingeführt werden.
Mit der Ansicht des blutrot über dem Meer aufgehenden Mondes endete unser Tag.
19.11.2013
Heute entschieden wir uns kurzfristig entgegen des ursprünglichen Plans dazu, noch eine Nacht hier auf dem Campingplatz stehen zu bleiben. Das Wetter war toll, doch das sollte sich im Laufe des Tages noch ändern. Nach einer Einheit im platzeigenen Gym probierten wir den Strand, doch wegen des starken Windes entschieden wir uns recht schnell dazu, uns den Pool mal näher anzuschauen. Der Wind wurde im Laufe des Nachmittages immer stärker und kühler, aber wir hatten auch genug Sonne abbekommen. Wir verbrachten den späten Nachmittag mit Nachrichten aus aller Welt im Meeting Room des Platzes.
20.11.2013
Nach dem Aufstehen um 7.30 Uhr (!) gab es eine Pumpeinheit, anschließend checkten wir aus, skypten mit den families und fuhren auch nur bis zum nächsten Parkplatz, wo wir erstmal in Ruhe frühstückten.
Los gehts Richtung Great Ocean Road! Bisher hatten wir ja nur wenig gesehen, heute wurde uns trotz 17°, Regen und Wolken klar, was für eine wundervolle Etappe uns erwarten würde. Immer irgendwo zwischen Meer links und Dschungel rechts schlängelt sich die GOR an der Pazifikküste entlang und es verschlägt einem ein ums andere Mal den Atem ob der sagenhaften Szenerie. Diese lässt sich nur schwer in Worte fassen – es ist einfach sehr schön hier.
Blick vom Cape Patton Lookout
Wir fuhren zunächst zum Splitpoint Lighthouse. Eine schöne Aussicht mit den ersten Felsen, die vom Meer umspült werden – ein Vorgeschmack auf die Twelve Apostels, die uns noch erwarten. 100m von dem Leuchtturm entfernt fanden wir ein Teehaus, das uns mit Scones, jam und cream den Aufenthalt im wahrsten Sinne des Wortes versüßte.
Lighthouse und Tea House 🙂
Auf dem Weg nach Apollo Bay hielten wir immer wieder an und machten viele Fotos und Videos. Auf dem weiteren Weg entdeckten wir Mait’s Rest, einen halbstündigen Rundweg durch den südaustralischen Regenwald, sehr interessant.
Der Dschungel und ein Mountain Ash Eucalyptus
Wir fuhren weiter Richtung Cape Conway, auch ein Campingplatz war hier ausgeschildert. Auf dem Weg zu selbigem entdeckten wir noch eine wahre Koala-Herde (am Campingplatz selbst war später zu lesen, es handele sich um eine regelrechte Plage, es wären viel zu viele für die Region und vor allem für die Anzahl an Bäumen). Für uns ergaben sich allerdings viele tolle Fotomotive. Ich musste viel Überzeugungsarbeit leisten, sonst hätten wir den Rest des Trips wohl mit Haustier erlebt 🙂
Koala-Mama und Baby – unglaublich niedlich
Am Campingplatz angekommen, stellten wir übereinstimmend fest, dass es sich um den schönsten Platz der bisherigen Tour handelte – zwar hatten wir schon modernere und neuere gesehen, dieser bestach jedoch durch seine Naturbelassenheit, seine Einfachheit und seinen Charme. In der Küche trafen wir noch zwei nette Mädels (Inke und Daniela) und aßen Känguru-Steak (sehr lecker, aber nich krass anders als Rind, zumindest für meine einfachen Geschmacksnerven, Laura schmeckte einen deutlicheren Unterschied).
Schätzchen, auch wenn wir nich bei dir sein konnten – wir dachten heute ganz viel an dich!
21.11.2013
Nachdem es die ganze Nacht (und auch den heutigen ganzen Tag) unaufhörlich regnete, hatte unser Dach genug – um 3 Uhr wurde ich wach vom stetigen Tropfen auf meinen Schlafsack. Das Wasser drückte durch die Ventilation hinein. Doch Lauras Geistesblitz, den von mir bereitgestellten Behälter mit einem Handtuch zu füllen, entspannte die Situation und der Behälter konnte somit nicht während des Schlafes umstürzen.
Wir schliefen sehr lange, bis elf Uhr. Dann machten wir uns in Ruhe fertig, frühstückten und fuhren nach einem halb erfolgreichen Kampf mit dem Router des Platzes (wir konnten zumindest einige fb-Nachrichten verschicken) gegen halb drei los. Nachdem uns beim Cape Otway mal schlappe 19 AUD aus der Tasche gezogen werden sollten und wir gestern einen schönen Leuchtturm gesehen hatten, hatten wir dort einen kurzen Aufenthalt.
Anstelle dessen erwarteten uns 20 km auf einer fiesen Schotterpiste – immer den Berg hinauf. Der Ausblick und die Flora und Fauna links und rechts unseres Wohnmobils entschädigte allerdings für einiges. Hier passten auch Regen und tief hängende Wolken gut hin – wir befanden uns mitten im Dschungel. Das Ziel unserer Fahrt war der Otway Fly Treewalk. Wir kamen allerdings ein wenig spät und im Dauerregen dort an, so dass wir weiter Richtung Triplet Falls fuhren, nur vier Kilometer weiter. Diesen Walkway kürzten wir aufgrund des Regens auch ab, nichtsdestotrotz boten die drei Wasserfälle (daher der Name) einen spektakulärer Anblick. Wir schossen Bilder und sahen auf dem Rückweg zum Auto sogar eine seltene schwarze Schnecke, die nur im Otway National Park zu finden ist, wie uns die Schilder verrieten.
Einer der Triplet Falls
Dank unseres späten Starts war der Tag schnell an uns vorbei geflogen, wir stellten uns in Princetown auf den Campingplatz. Dort verbrachten wir den Abend mit quatschen, essen und Tagebuch schreiben.
22.11.2013
Nach der Nacht in Princetown wartete die Königsetappe des Great Ocean Road auf uns. Jede Menge sagenhafter Felsformationen, kraftvoller Wellen und traumhaft schöner Buchten warteten auf uns. Gleich am ersten Stop, den Gibson Steps, trafen wir Inke und Daniela wieder. Wir scherzten, wir würden uns bestimmt noch häufiger sehen, und so war es auch. Irgendwann im Laufe des Tages beschlossen wir, einen Teil unserer Reise (die Mädels sind insgesamt neun Monate unterwegs) zusammen zu verbringen. Diese Reisegruppe bestand bis SA abend, dann mussten sich unsere Wege leider aus geographischen Gründen trennen.
Nach den Gibson Steps ging es weiter zur bekanntesten Sehenswürdigkeit der Route – die Twelve Apostels (die je nach Zählweise zwischen 7 und 9 Mitglieder haben, auf keinen Fall aber jemals 12 haben oder hatten) waren umlagert von Touris, aber auch jedes einzelne Bild wert. Und egal ob Loch Ard Gorge oder Mutton Bird Island, Thunder Cave oder The Arch, London Bridge oder The Grotto – hier an der Südküste Australiens entstehen durch den weichen Sandstein, der im Laufe der Jahrhunderte und -tausende vom Meer kräftig bearbeitet wird, sehr eindrucksvolle Skulpturen.
Die Twelve Apostels
Zwischendurch gab es eine Alkoholkontrolle – nachmittags um 3 an einem Freitag, der Umgang mit Alkohol in der Mittagspause ist hier wohl noch ein anderer als in einigen europäischen Ländern.
Zum Abschluss eines Tages voll mit tollen Impressionen, viel Sonne und dementsprechend einem crazy Sonnenbrand im Gesicht stand der letzte Teil der GOR an, die Bay of Martyrs und besonders die Bay of Islands bildeten einen sagenhaften Abschluss.
Anschließend warteten noch 40km bis Warrambool auf uns, hier genossen wir den Campingplatz inklusive einiger Bahnen im platzeigenen Pool.
23.11.2013
Nach einer Nacht mit viel Regen starteten wir in einen grauen Tag. Bei der Touri-Info holten wir uns neues Futter – in Tower Hill gäbe es viel zu entdecken, dort gibt es den Krater eines Vulkans zu besichtigen, in dem sich mittlerweile mehrere Seen gebildet haben. Koalas, Wallabies, Kängurus, Emus – die Dame von der Touri-Info hatte noch gemeint, von Tieren sei heute des schlechten Wetters wegen wenig zu sehen, aber wir sahen sehr viele Tiere, teils aus nächster Nähe.
Nach der Wanderung mit unserer frisch und kurzfristig gebildeten Reisegruppe wärmten wir uns im Café Clonmara in Port Fairy bei hausgemachten Scones (mit Marmelade und Sahne oder mit Butter) auf, anschließend ging es weiter Richtung Portland, zwischendurch immer wieder mit kleinen Halten bei noch kleineren Sehenswürdigkeiten. Auch heute gab es eine Alkoholkontrolle, zu ähnlicher Zeit wie gestern.
Auch in Portland selbst hielten wir uns nicht lange auf, es zog uns nach Cape Bridgewater, wo uns ein atemberaubender Blick über die Bucht und den Strand sowie ein Stück weiter die Blowholes erwarteten, ein sehr beeindruckendes Spektakel. Im Sekundentakt prallen hier Wellen gegen die Küste und werden in einem solchen Winkel zurückgeworfen, dass sie auf die neu ankommenden Wellen klatschen. Hierbei entstehen Meter hohe Fontänen, Wasser, das vor Schaum mehr weiß als blau ist und mächtige Donnergeräusche. Immer wieder entdeckten wir Robben, denen die unruhige See nichts auszumachen schien und wurden neugierig von vorüberfliegenden Australischen Tölpeln beäugt.
Zum Abschluss des Tages wartete noch eine 100km lange Etappe nach Mount Gambier. Wir überquerten die Grenze nach South Australia kurz hinter Nelson (inklusive Zeitverschiebung um eine halbe Stunde) und landeten heil auf dem Campingplatz. Inke und Daniela kamen noch für ein Gläschen Wein und gemütliches Beisammensein vorbei. Schon stand der nächste Abschied an – Mädels, es war toll, mit euch ein Stück weit gemeinsam zu reisen – die Etappe hätte gerne langer sein dürfen! Wir freuen uns schon auf das gemeinsame Treffen!
24.11.2013
Nach Aufstehen um 9.30 Uhr und gemütlichem Frühstück verließen wir den Campingplatz gegen 12 Uhr, um uns den berühmten Blue Lake anzuschauen, der Mount Gambier und die Umgebung mit Trinkwasser versorgt. Er hat eine Fläche von 70 Hektar, ist 70m tief und fasst 36 Mio Liter. Seine Bekanntheit verdankt er seiner tiefblauen Farbe. Die gesamte Gegend ist voller geologisch interessanter Orte, es gibt hier zB auch viele Höhlen.
Wir beließen es bei der Besichtigung des Blue Lake – es wartete ja noch eine Etappe von 350 Kilometern auf uns. Wir wollten bis Taidem Bend kommen, um morgen nur noch 100km bis Adelaide vor uns zu haben. Wir fuhren über die A66 Richtung Norden, an Willalooka und Keith vorbei. Da wir gut in der Zeit lagen, entschieden wir uns, den deutlich längeren Weg über Meningie zu nehmen. Auf der 50km langen Fahrt dorthin begegneten uns gezählte vier Autos (davon drei uns überholende, lediglich ein Auto kam uns entgegen). Schließlich begaben wir uns auf die komplizierte Suche nach einem Schlafplatz in der Wildnis und fanden mit dem letzten Tageslicht einen parallel zum Princes Highway verlaufenden Pfad, der uns mit einigen Büschen mehr schlecht als recht gegen neugierige Blicke vom Highway schützte. In Australien ist wildes Campen verboten, wir wagten unsere kleine Revolution 🙂
Die letzten Chorizos schmiss Laura in die Pfanne und unser Campingabenteuer neigt sich mit der letzten Nacht in unserem kleinen Toyota Hiace dem Ende entgegen. Morgen würden wir unser Auto in Adelaide abgeben.












WHANSINNSbilder und die Beschreibungen klingen nach ner sehr geilen Etappe!