Wir bekamen in den letzten Wochen die Chance, uns verschiedene chinesische Traditionen aus der Nähe anzusehen. Zunächst mal waren wir im Happy Valley, um den Pferderennen beizuwohnen. Des britischen Einflusses wegen haben die Rennen hier große Tradition und an der Rennstrecke lassen sich genauso die oberen Zehntausend blicken wie auch weniger betuchte Menschen – der Eintritt liegt bei 10 HK$ (ca. 1,20€) und die Wetteinsätze beginnen bei 20 HK$. Es gibt verschiedene Essens- und Trinkstände und auch der streckeneigene McDonald’s fehlt nicht. Wir verbrachten mit Valéa und Micha und ihrem Besuch aus Deutschland einen entspannten Abend, bestaunten die Pferde, quatschten und versuchten uns auch selbst – leider erfolglos – beim Wetten. Auch unser höchst professionelle Fachsimpeln über den Laufrhythmus der Pferde während der Präsentation, Gewicht der Jockeys, genaue Beobachtung der Pferdeohren zur Bestimmung des Gemütszustandes, Konsultation des Rennheftes und die Theorie “wenn das Pferd vor’m Rennen noch kackt, ist es entspannt und nicht gestresst” hat unserem Glück nicht weitergeholfen. Viele Hong Kong-Chinesen stehen stark auf Wetten und jegliche Form des Glücksspiels. An jeder Ecke – so auch von uns nur einige hundert Meter entfernt – gibt es Wettbüros, wo z.B. auch auf Bundesligaspiele gewettet wird. Folglich ist auch der Hong Kong Jockey Club (das größte Wettbüro) größter Steuerzahler und eine der ältesten Institutionen in der Stadt.
Start und Zieleinlauf am Happy Valley
Auch den berühmten Hot Pot wollten wir endlich mal ausprobieren – Laura brannte schon seit unserer Ankunft darauf. Hierbei kommt ein Kessel mit verschiedenen Suppen / Brühen in die Mitte des Tisches, daneben steht gehackter Knoblauch, Chili-Schoten und andere Gewürze in Bottichen. Wir entschieden uns für eine scharfe Tofusuppe, Hummersuppe, Gemüsesuppe, Sataysuppe und eine Garnelensuppe, die in einer Papaya in der Mitte thronte und vor dem Übergießen mit Brühe zunächst spektakulär flambiert wurde. Nun kann man je nach Gusto Fleisch, Fisch, Gemüse und / oder Pilze bestellen, diese Zutaten werden dann – ähnlich wie beim Fondue – für einige Sekunden in die Suppe gehalten und fertig ist das Geschmackserlebnis. Je nach Würze der Brühe entwickelt sich auch der Geschmack der Einlage und wie ihr merkt, ist es sehr einfach und man kann mit der Schlemmerei gut den ganzen Abend füllen. Nachdem die Kellnerin uns ein wenig bremste (in unserer Euphorie wollten wir für zwei Personen doch ganz schön reichlich bestellen), verbrachten wir im Drunken Pot einen entspannten Abend.
Suppen- und Showeinlage inklusive
Das Wetter wechselt derzeit von frühlingshaft zu immer häufiger (früh)sommerlich und somit ergibt sich grade an den Wochenenden auch immer wieder die Möglichkeit, entspannte Tage am Strand zu verbringen. So waren wir mit Valéa und Micha neulich am Repulse Bay Beach – durch die Größe des Strandes verläuft es sich hier ein wenig, man kann auch unter Bäumen im Schatten chillen und hat in Laufweite einen Supermarkt wie auch mehrere Restaurants.
Repulse Bay – erholsamer Ausgleich zum stressigen Alltag
Vergangenen Dienstag konnten wir dann den Strandaufenthalt mit einer weiteren chinesischen Tradition verknüpfen – es war Feiertag, des Dragon Boat Festivals wegen. Wie der Name schon erahnen lässt, finden hierbei im ganzen Land Drachenboot-Rennen statt. Wir standen früh auf und starteten den Tag bei einem der größeren Rennen in Stanley, außerhalb Hongkongs. Hier gibt es mehr als 30 Rennen mit jeweils 12 Teams – in einem Drachenboot sitzen meist zwischen 16 und 20 Personen. Dementsprechend waren nicht nur viele Zuschauer (an Land wie auch auf dem Wasser in größeren und kleineren Yachten) vor Ort, auch die Teams machen einen beträchtlichen Teil des Spektakels aus. Die größeren Firmen (Banken, Versicherungen etc.) sind hierbei durch die Bank weg vertreten und auch verschiedene private Teams gibt es, so z.B. auch zwei deutsche Drachenboot-Teams. Der Sport ist eine beliebte Freizeitbeschäftigung, auch unter Expats. Die Mannschaften trainieren oftmals das Jahr über auf den großen Tag hin. An der Namensgebung des Teams erkennt man jedoch leicht den Grad der Motivation. So liefen wir bspw. am Teamzelt der “Cheese Burgers” vorbei, die mehr oder minder angetrunken am Strand dösten. Ingesamt war die Stimmung toll, wir hatten uns einen Platz mit guter Aussicht gesichert und schauten uns mehrere Rennen an.
Stanley Beach am Dragonboat Festival
Wir hatten uns wieder auf die Rückfahrt begeben, als wir durch Aberdeen fahrend feststellten, dass auch hier geraced wurde. Kurzentschlossen verließen wir den Bus und schauten uns ein wenig um – die Stimmung war ebenfalls toll, es fuhren immer nur drei Teams gegeneinander, die allerdings (zumindest für uns vom Ufer aus zuschauend) deutlich schneller / besser aufeinander abgestimmt zu sein schienen als in Stanley. Auch hier sahen wir mehrere Rennen, bevor wir uns zu einem späten Mittagessen zu einem kleinen Imbiss begaben. Die Kommunikation erfolgte hier mit Hand und Fuß (und Google Translator), es schmeckte aber sehr lecker.


Aberdeen – mutete traditioneller an und bot eine tolle Kulisse mit Bambustribüne und Hochhäusern
Ende der Woche ergab sich die Möglichkeit, erste Erfahrungen als Touri-Guide zu sammeln – ich war mit einer ehemaligen Kommilitonin und ihrem Freund unterwegs. Die beiden waren nach ihrem Urlaub in Südostasien noch für zwei Nächte in Hongkong und wir schauten uns gemeinsam ein wenig um – auf der Festlandseite wie auch auf Hong Kong Island. Es waren zwei vergnügliche und kurzweilige Tage – auch wenn sich die neue Heimat für uns selbst noch eher nach “neu” anfühlt, gewinnt man durch die gemeinsam verbrachte Zeit und das Zeigen der “eigenen” Stadt ein wenig des “Heimat”-Gefühls hinzu.
Unsere Higlights:
- „Wetten, dass …” wäre hier der Renner gewesen
- Hot Pot ist nicht die chinesische Bezeichnung für den Jacuzzi
- Sollte der Sommer so heiß werden wie es sich ankündigt, möchte Laura am Strand wohnen
- Bier und Cheese Burger ist eine erfolgreichere Kombination als Drachenboot und „Cheese Burger”
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