Wir starten heute mit einem Geburtstagssong – gemeinsam mit Caitlin und ein paar ihrer Freundinnen gingen wir im Sawali Club (bereits zum zweiten Mal) lecker und günstig Thai essen. Als wir fast im Begriff waren zu gehen, gingen die Lichter aus – wir schauten einander verdutzt an, als die Kellnerin zum Mikro griff und voller Inbrunst eine super extended Version von „Happy Birthday!“ zum Besten gab. Am Nebentisch feierte jemand Geburtstag und das wurde mit Beamer, Strandbilder-Slideshow und Songtext entsprechend gewürdigt – auch das restliche Publikum im gut gefüllten Restaurant durfte fleißig mitklatschen. Ein großer Spaß für alle Freunde des rhythmischen Klatschens!
In den letzten Wochen erkundeten wir ausgiebig die Kowloon- / Festlandseite und wurden in Tsim Sha Tsui häufiger mal von jungen und alten Indern mit den Worten „Mister, Sir, Rolex – Madam handbags, Gucci, …?!“ angesprochen. So auch am letzten Sonntag: Helle lud uns gemeinsam mit Louis zu ihrem Lieblings-Inder ein. Im Delhi Club begann ihr persönliches China-Abenteuer vor mittlerweile fast 20 Jahren. Es gibt zwar keine Fenster, die Beleuchtung besteht aus Neonröhren, doch es gibt sehr leckeres, einfaches Essen – und der Besitzer, den Helle damals noch als kleinen Jungen kennenlernte, gab uns unaufgeregten, jederzeit aufmerksamen Service. Vorher mussten wir jedoch die Meute an verkaufswütigen Menschen abhängen, die einem zwecks Kauf von Luxusgütern ihre Visitenkarte geben wollen. Hier, in der Chung King Mansion, scheint man sich nach wenigen Metern mitten in Indien und in einem Labyrinth aus kleinen Geschäften zu befinden. Wie auch beim eben erwähnten Thai bestellten wir einiges zum Teilen, die Speisen wurden in der Mitte des Tisches platziert und jeder konnte zugreifen.
Ein weiteres Wiedersehen gab es mit einer anderen kulinarischen Location: Mit Valéa und Micha gingen wir am Freitag Burger essen im Beef & Liberty – hier feierten wir Ende April bereits das Abschieds-BBQ mit Laura’s englischer Kollegin Hester. Anschließend zogen wir noch ein wenig weiter in’s Wooloomooloo. Dieses verfügt über eine Rooftop Terrace im 31. Stockwerk, von dort hat man einen tollen Blick über die Insel und auch rüber zur Kowloon-Seite. Es war ein wie immer sehr kurzweiliger und toller Abend in angenehmer Gesellschaft.
Mit einem Cocktail in der Hand das Panorama in einer der zahlreichen Rooftop Bars genießen – ein beliebter Start ins Nachtleben
Das Wetter spielte dieses Wochenende nicht so mit und wir freuten uns über die Einladung von Helle und Louise zur Affordable Art Fair, um dem Regen zu entfliehen. Im Gegensatz zu einigen mir aus Bentley-Zeiten bekannten Kunstaustellungen sind hier nicht die oberen 10.000 das Zielpublikum, vielmehr soll Kunst für jedermann angeboten werden. Die Werke bewegen sich zwischen 1.000 und 100.000 HK$ (umgerechnet grob 120 bis 12.000€), stammen entweder von jungen und / oder noch nicht wahnsinnig bekannten Künstlern oder es gibt limitierte Print-Editionen von bekannten Künstlern wie Damien Hirst – ein interessantes Konzept und ein kurzweiliger Ausflug! Die Messe findet zweimal im Jahr statt und beim nächsten Mal schauen wir noch ein bisschen genauer hin – vielleicht ergattern wir ein Werk für unsere neue Wohnung und nebenbei den neuen Andy Warhol. Anschließend gab es vietnamesisches Dinner im gut besuchten Restaurant Chom Chom. Die Küche ist offen einsehbar und die Köche stehen (zumindest am Wochenende) offensichtlich auf fette Beats, gleich zur Begrüßung dröhnte 50 Cent aus den Lautsprechern und wir mussten unsere Gesprächslautstärke dementsprechend anpassen. Das tat dem Geschmackserlebnis natürlich keinen Abbruch.


Einige Impressionen der Kunstwerke der Affordable Art Fair – von Skulpturen und Bildern aus Supermarktquittungen über Fotografien bis hin zu klassischen Gemälden wurde alles geboten
Ihr merkt schon – die kulinarischen Vergnügen standen in den letzten Tagen wieder im Mittelpunkt. Wir bleiben noch ein wenig bei diesem Thema: unter der Woche gingen wir zu Capo, laut TripAdvisor das beste Restaurant in ganz Hong Kong (wobei die ersten zehn bis 100 Restaurants der Stadt aller Wahrscheinlichkeit austauschbar sind – bei 7.000 gelisteten Restaurants in HK). Kurze Anekdote an der Stelle eingeschoben: Das Restaurant ist neben dem Kowloon Park gelegen, der mittlerweile mein neues „Outdoor Gym“ geworden ist. Auch Kids huschen hier immer mal rum – eine kleine Madame fragte mich neulich, warum ich denn trainiere. Auf meine Antwort „To get strong“ griff sie zielstrebig bzw. prüfend an mein Handgelenk (!) und stellte schnell und fachkundig fest „But you are strong already!“ Doch zurück zum Capo: Die Betreiberin des Restaurants kommt aus Italien, sie und ihr Mann sind schon seit längerer Zeit hier in HK – das Essen war richtig lecker, der Parmaschinken hauchdünn und die Portionen sehr ordentlich. Wie wir beim Gespräch mit dem Kellner erfuhren, betreiben die Besitzer auch einen Handel mit italienischen Produkten und lassen die Waren direkt und frisch aus Laura’s Heimat einfliegen. Zudem kann man gut draußen sitzen, das ist hier auch nicht selbstverständlich. Nach dem Essen gingen wir noch ein wenig spazieren und entdeckten einen Pier, auf dem man bis ganz nach vorn laufen und von dort schön die Skyline sehen konnte.
Ein bisschen Italien in Fernost – Prosciutto di Parma
Ich habe mir mittlerweile eine lokale SIM-Karte besorgt – dies geht hier sehr unkompliziert und schnell. Verträge laufen ein oder zwei Jahre, verlängern sich aber nicht selbst, sondern laufen dann aus. Nach einem kurzen Besuch im Laden um die Ecke bezahle ich nun umgerechnet gut 12 Euro pro Monat für unbegrenzte Daten und 2.000 Minuten. Einer Bankverbindung bedarf es nicht – ich bezahlte direkt drei Monate bar, werde nach Ablauf dieser Zeit per SMS kontaktiert und kann Cash im Store bezahlen, wenn ich das möchte. Beim Aussuchen meiner Nummer konnte man schnell ein Muster erkennen – die 4 (genauso 14, 24 etc.) und die 13 (letztere aber eher durch den westlichen Einfuss) sind Unglückszahlen und waren in vielen der noch zur Verfügung stehenden Nummern zu finden (ich sicherte mir direkt eine 13, da die Nummer ansonsten einfach zu merken ist). Die 8 hingegen stand kaum zur Verfügung, besonders nicht doppelt oder dreifach – sie gilt hier als Glückszahl.
Auch außerhalb Hong Kongs waren wir wieder unterwegs – wir nahmen die Fähre nach Discovery Bay, dort gab ich meine erste Stunde Deutschunterricht. Die Gelegenheit hierzu ergab sich beim BBQ bei Valéa und Micha – eine Bekannte der beiden bot an, hier einen Kontakt herzustellen. Nach 20 Minuten landet man mitten in der Natur, außer Bussen und den hier weit verbreiteten Golfkarts gibt es kaum Verkehr. Auch einen schönen Strand gibt es, leider regnete es jedoch am Tag unseres Besuches – es machte sich trotzdem ein bisschen Urlaubsfeeling breit. Bereits nach wenigen Metern begegneten uns die ersten Deutschen. Wir hatten schon vorher gehört, dass DB bei Deutschen und Engländern als Alternative zum Trubel in HK selbst sehr beliebt ist und wunderten uns nicht. Laura stürzte sich nach einem kurzen Spaziergang durch das Wohngebiet auf der Suche nach Lesefutter in die Buchhandlung, ich gab meine Stunde bei zwei wohlerzogenen jungen Damen. Der Vater der beiden ist deutsch, die Mutter Inderin – bisher kam die deutsche Sprache jedoch immer ein wenig zu kurz, nun sollen die Kenntnisse hier vertieft und ein wenig dem deutschen Nachnamen angepasst werden. Anschließend chillten wir noch ein wenig, aßen etwas und ab ging’s nach Hause.
Pier 3 ist der Startpunkt für die Überfahrt nach Discovery Bay, das beschauliche „deutsche Staatsgebiet“ in Hong Kong
Weiterhin stand mal wieder ein Umzug zu Beginn der Woche an, der zweite von dreien. Da Laura auf der Arbeit war, bestellte ich mir einen GogoVan (ähnlich wie Uber, nur in Van-Größe) und es begann eine lustige Irrfahrt. Weder der nur Kantonesisch sprechende Fahrer noch ich wussten so recht wohin wir mussten. So legten wir zwischendurch einen kleinen Stopp an der Uni ein – gute Idee des Fahrers: dort gibt es bestimmt Menschen, die englisch sprechen – und sprachen kurz mit einer Gruppe von Studenten. Ich verstand hierbei nicht viel mehr als das kantonesische Wort für weiße Menschen, „gwai lo“, übersetzt „Geistermensch“. Schließlich kam ich (reichlich spät) auf die großartige Idee, unseren AirBnb-Host anzurufen und so kamen wir letztlich doch noch wohlbehalten am Ziel an. Wir sind nun in einem anderen Airbnb ganz in der Nähe des vorherigen, im zweiten Stock gelegen (analog zum zweiten Kellergeschoss in anderen Städten, außer Wänden anderer Häuser sehen wir hier nicht viel) und sehr – nennen wir es „kuschlig“ und bleiben damit bei der Wortwahl in der Airbnb-Anzeige. Wir freuen uns auf den dritten und letzten Umzug Mitte Juni und auf unser endgültiges Zuhause.
Unsere Highlights:
- In Thailand ist der Kellner der Leadsänger
- In HK ist vieles teuer, Kunst allerdings nicht unbedingt
- Wo es „echte“ Rolex-Uhren gibt, ist ein gutes Chicken Tikka nicht weit
- Das Handgelenk ist der neue Bizeps
- Discovery Bay lässt sich aufgrund seiner Größe schnell „discovern“
- Geistermenschen sprechen meist nicht viel kantonesisch
Soweit zu den neuesten Entwicklungen unseres Lebens hier in Hong Kong – klickt einfach auf „folgen“, um automatisch über neue Einträge informiert zu werden! Gebt uns auch gern immer Feedback – was gefällt euch, was wollt ihr wissen? Wir freuen uns auf Eure Kommentare!