Schon sind drei Wochen um! Der nächste Blogeintrag sollte schon an Ostern online gehen, doch daraus wurde nichts. In den vergangenen 14 Tagen waren wir größtenteils mit House Hunting beschäftigt – löste sich der Traum vom im letzten Beitrag beschriebenen Loft doch relativ schnell im sprichwörtlichen Wohlgefallen auf. Kurz bevor wir die Kaution überweisen wollten, stellte der Besitzer fest, dass er gar nicht an uns vermieten wollte – sein Vater käme im Sommer für eine größere medizinische Behandlung nach Hong Kong und er bräuchte das Apartment leider weiterhin selbst. Ob dies der wahre Hintergrund ist, wir ihn zu weit runtergehandelt haben oder er jemanden gefunden hat, der willens war, einen höheren Preis zu bezahlen – wir wissen es nicht.
Ist aber letzten Endes auch nicht interessant – ich stürzte mich nach Ostern wieder in meinen Vollzeitjob als House Hunter und begab mich auf die Suche nach neuen Apartments. Pro Tag lassen sich ca. 10-20 Wohnungen besichtigen, ich habe seit vergangenem Dienstag also einige Immobilien gesehen. Viele lassen sich in einer fünfminütigen Tour abhandeln, teils reicht schon ein kurzer Blick – die meisten Apartments kommen nicht in Frage. Klein sind in unserer Preiskategorie alle, viele haben keinen Ofen oder ich passe schlichtweg nicht in’s Bett (der Schlüssel ist dabei ein offenes unteres Ende des Bettes, oder, Hilmitsch?), so dass sich die Suche oft recht mühevoll gestaltet. Hat man ein gutes Apartment gefunden, scheitern teils die Verhandlungen an unterschiedlichen Preisvorstellungen – die Frustration war zwischendurch ziemlich hoch. Im Moment gibt es einige heiße Kandidaten, der Markt bewegt sich wahnsinnig schnell – noch ist ein Ende nicht in Sicht.
Holger’s Iphone momentan- er macht Videos für mich und zeigt mir nur die besten Wohnungen am Abend nach der Arbeit
Während mein „Job“ mich beschäftigt hielt, arbeitet auch Laura im Moment echt viel – hier kam es zwischendurch zu Kommunikationsproblemen mit einem ihrer Kunden. Dies sorgte für einige Verstimmungen, doch mittlerweile hat sich die Situation wieder ein wenig beruhigt.
Trotz des etwas holprigen Starts in der Arbeitswelt – ein Punkt überzeugt hier: die vielen Feiertage. Nach dem Sweeping Day folgten nun christliche Feiertage dank der Engländer. Wir haben hier 19 Feiertage, davon drei im April. Karfreitag und Ostersamstag nutzten wir für unspektakuläre Tätigkeiten wie Wäsche waschen oder Sport machen. Am Ostersonntag waren wir mit ein paar englischen Mädels zum Brunch im Linguini Fini verabredet – einem italienischen Restaurant, in dem die Pasta tatsächlich sehr lecker schmeckt, falls Ihr Euch daran erinnert. Hier wurde ein reichhaltiges Buffet aufgefahren und „Prosecco free flow“ (bzw. in meinem Fall „Peroni free flow“) sorgte für eine gelöste Stimmung / ein mittägliches Besäufnis.
Vielseitige Auswahl im Linguini Fini und ein fruchtiges Bier im 65 Peel
Der Weg zum Linguini Fini führt über die Escalators in Central – praktisch
Abends waren wir mit Valéa und Micha nach deren Rückkehr aus Neuseeland zum Willkommensdinner verabredet – für unser leibliches Wohl war auch hier bestens gesorgt. Die beiden haben uns bei der Vorbereitung wahnsinnig geholfen und unterstützen uns bei unseren ersten Schritten hier sehr.
Am Ostermontag waren wir mit Charlie, einem der englischen Girls, zum Wandern verabredet – nach 20minütiger Busfahrt begannen wir den Dragon’s Back Hike. Dieser führt 11 km auf dem Rücken des schlafenden Drachen lang, mit teilweise spektakulärer Aussicht – hier entstand z.B. mein derzeitiges FB-Coverfoto. Es war relativ heiß, doch ein guter Teil der Wanderung führt durch bewaldetes Gebiet – wir hatten uns trotzdem mit Sonnenschutz eingecremt und das war die richtige Entscheidung. Nach dreistündigem Hiking kamen wir gut durchgeschwitzt am Strand der Big Wave Bay an und gingen nach einem kleinen Snack erstmal baden – sehr erfrischend. Für weitere Erfrischung sorgte der Wind, gleichzeitig allerdings auch für herumfliegende Sonnenschirme und eine angenehme Sandpanade für den Rückweg!
Der Wanderweg führt mitten durch die hügelige Landschaft und erinnert an einen Drachenrücken
Die Sicht auf einige der Hochhäuser, die ansonsten das Bild von Hong Kong prägen
Panorama des bekannten Strandes Shek-O
Kulinarisch traditionell endete unser Osterwochenende mit einer Frittata Calabrese – dank original italienischer Wurst, die wir im Gepäck in unsere neue Heimat „geschmuggelt“ hatten.

Salsiccia, Soppressata, Eier, Ricotta und Käse sind die einfachen und leckeren Zutaten des traditionellen Osteressens im Süden Italiens
Zu den ersten Hürden, die man in HK nehmen muss, gehört wie schon erwähnt die Wohnungssuche. Aber die Eröffnung eines Bankkontos ist ohne Wohnungsnachweis nicht allzu einfach – gleichzeitig sehen viele potentielle Vermieter gerne ein hiesiges Bankkonto, um sich die Gebühren zu sparen. Die Lösung für dieses Dilemma bot Laura’s Firma dankenswerterweise an – sie bekam ihr Monatsgehalt sowie ihre Provision für das erste Quartal in Cash ausgezahlt. Für Nervenkitzel auf dem Heimweg nach Feierabend war also gesorgt!
Auch gegrillt haben wir schon fleißig (kleiner Cliffhanger an der Stelle: mehr zum Thema Essen in einem der nächsten Posts). Gestern gab es gleich einen doppelten BBQ-Tag – zum einen verabschiedete sich Laura’s Kollegin Hester mit einer Grillparty am Nachmittag, zum anderen hatten Valéa und Micha zum BBQ am Abend eingeladen. Viele neue Bekanntschaften wurden geschlossen und der lange Tag endete mit einer rasanten Taxifahrt nach Kowloon – denn der öffentliche Verkehr ist zwar super organisiert, aber zwischen 3 und 5 Uhr nicht für Nachteulen geeignet.
Unsere Highlights:
- Ein Handschlag bedeutet leider nicht immer, dass man einen gültigen Vertrag hat
- Es gibt viele Apartments in HK, aber nicht viele, in deren Bett ich passe
- Wandern in der Mittagssonne beschert wolkenlose Panoramabilder, aber auch einen roten Kopf
- Wind am Strand ergibt ein kostenloses und natürliches „Peeling“
- Mit ihrem gesamten Gehalt und der Provision in bar in der Tasche kann selbst die entspannte Laura in der Bahn Paranoia bekommen
- Die MTR bringt dich innerhalb kürzester Zeit von einem zum anderen Ende der Stadt – aber nicht spätnachts
Ich denke, die Zeit wird schon ganz von selbst zur Wohnungsfindung beitragen. Denn irgendwann im Alter wird Holgi wieder schrumpfen, und passt dann in all die kleinen Zwergen Bettchen. Perfekt!
Hahaha, also jetzt musst du Holger nur noch erzählen, dass Haarausfall auch seine Vorteile hat: kein Kamm, kein Shampoo, mehr Platz für sein schönes Gesicht, …